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„Nein.“
Ende des Gesprächs. Man hört diese Frage und denkt,
wenn man sie bejaht, werden die Leute annehmen, daß man
nichts weiter kann als vom Leben abschreiben. So antwortet man
fast reflexartig mit „Nein.“ Dieses „Nein“
soll schützen, den Schreibenden vor seinen Lesern, vielleicht
sollte man bei diesem „Nein“ auch dann bleiben,
wenn man schreibend antwortet, doch ich möchte es wagen,
schreibend etwas ehrlicher zu sein. Ist das, was man schreibt,
autobiographisch?
Wenn ich auf Lesungen von Autoren gehe, die schon länger
„dabei“ sind, fällt mir auf, daß die
meisten gelernt haben, dieses „Nein“ durch eine
adäquate Geschichte, ein paar selbstsichere Worte zu ersetzen.
Sie antworten nicht mit „Nein“, sondern mit: „Ja,
und zwar...“ Anfangs habe ich das bewundert, bis mir auffiel,
daß das Gespräch damit ebenso beendet ist wie mit
einem „Nein.“ Der einzige Unterschied besteht darin,
daß sie sich etwas klüger verstecken, hinter vorher
zurechtgelegten Geschichten und der Portion Ehrlichkeit, die
sie geben wollen; doch auch sie meinen, den Grad der Autobiographie
definieren zu müssen, wollen bestimmen, inwieweit der Leser
den Autor im Geschriebenen erkennen darf. Auch diese Art zu
antworten entlarvt letztlich die Angst, der Leser könnte
annehmen, daß die Wirklichkeit mehr sei als nur ein kleiner
Stein, der alles ins Rollen gebracht hat, kurz: Die Angst, man
könnte dem Erzählten das Literarische absprechen.
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