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Was
wäre ehrlicher? Ein schlichtes und klares „Ja.“
Vielleicht sogar ein „Ja“ ohne jede weitere Erklärung,
denn jede weitere Erklärung ist bereits der Versuch, sich
zu rechtfertigen oder zu leugnen, daß man ist, was man
schreibt und daß es dennoch Unsagbar bleibt, was davon
man genau ist. Denn autobiographisch ist am Schreiben vor allem
die Tatsache, daß dafür, wie wir etwas niederschreiben,
unser Leben verantwortlich ist und das, was es aus uns gemacht
hat. So, wie die Tatsache, daß wir schreiben, mitverantwortlich
ist für das, wie wir leben. Das Einzige, was mit Gewißheit
gesagt werden kann: Alles Geschriebene erzählt von der
Biographie der Gefühle des Autors. Dabei sucht man nicht
nur nach vergangenen Gefühlen, manches fühlt man während
des Schreibens zum ersten Mal, kurz: Man schreibt nicht nur,
was man erlebt, man erlebt auch, was man schreibt. In diesem
Sinn ist alles Geschriebene autobiographisch.
Das Schreiben, das ich als Gelungen empfinde, geschieht dann,
wenn sich die Finger verselbständigen; man sucht nicht
nach Erlebtem, man erlebt. Gleich einem Zuschauer sitzt man
vor den Worten, die man niederschreibt, fragt sich, woher sie
kommen, verliert sich immer mehr und mehr in den Stimmungen
und Personen, die sich auf dem Blatt abzeichnen. Es spielt keine
Rolle, was das prüfende Auge später in den unzähligen
nüchternen Sitzungen des Lesens und Verbesserns ausfindig
machen wird, in diesem Moment ist man frei davon.
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