Was wäre ehrlicher? Ein schlichtes und klares „Ja.“ Vielleicht sogar ein „Ja“ ohne jede weitere Erklärung, denn jede weitere Erklärung ist bereits der Versuch, sich zu rechtfertigen oder zu leugnen, daß man ist, was man schreibt und daß es dennoch Unsagbar bleibt, was davon man genau ist. Denn autobiographisch ist am Schreiben vor allem die Tatsache, daß dafür, wie wir etwas niederschreiben, unser Leben verantwortlich ist und das, was es aus uns gemacht hat. So, wie die Tatsache, daß wir schreiben, mitverantwortlich ist für das, wie wir leben. Das Einzige, was mit Gewißheit gesagt werden kann: Alles Geschriebene erzählt von der Biographie der Gefühle des Autors. Dabei sucht man nicht nur nach vergangenen Gefühlen, manches fühlt man während des Schreibens zum ersten Mal, kurz: Man schreibt nicht nur, was man erlebt, man erlebt auch, was man schreibt. In diesem Sinn ist alles Geschriebene autobiographisch.

Das Schreiben, das ich als Gelungen empfinde, geschieht dann, wenn sich die Finger verselbständigen; man sucht nicht nach Erlebtem, man erlebt. Gleich einem Zuschauer sitzt man vor den Worten, die man niederschreibt, fragt sich, woher sie kommen, verliert sich immer mehr und mehr in den Stimmungen und Personen, die sich auf dem Blatt abzeichnen. Es spielt keine Rolle, was das prüfende Auge später in den unzähligen nüchternen Sitzungen des Lesens und Verbesserns ausfindig machen wird, in diesem Moment ist man frei davon
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  © 2007