Folgendes wurde über das Schreiben schon oft gesagt oder gedacht, vielleicht einfach deshalb, weil es sagenswert und wahr ist: Man kann schreibend ein Anderer sein kann. Folgendes wurde nicht weniger oft gesagt oder gedacht, vielleicht einfach deshalb, weil es nicht weniger sagenswert und wahr ist: Man kann schreibend der sein, der man ist. Es gibt niemanden, der die eigenen Gedanken zurechtstutzt, niemanden, der bestimmt, wie man was zu äußern hat und welcher Sache man Gewicht geben möchte und muß; obschon es sie gibt, Instanzen, die man sich einredet, so gehören diese mehr zum Veröffentlichen als zum Schreiben, das Schreiben als solches bietet zumindest die Möglichkeit, alles zuzulassen. Nur beim Schreiben kann man sich gestatten, hinzusehen, der Welt ins Auge zu sehen, ihrem Schweren und Schönen, und unbeschadet zurück ins Leben zu treten, weiterzuleben. Gut weiterzuleben. Ist das Glückliche, Schwere, Traurige, auf jeden Fall unter die Haut Gehende, das dann auf dem Papier steht, autobiographisch? Gewiß, und doch ist es nicht unser Leben. Auf dem Papier können wir sterben vor Schmerz, um dann wieder aufzustehen und erneut zu leben.

 

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