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Es
gibt im Leben Momente, an denen man messerscharf vorbeilebt,
weil man zu sehr Mensch ist, zu sehr der Tatsache bewußt,
daß man als solcher verwundbar ist. Doch beim Schreiben
geschieht das, was unmöglich schien: Man hält sich
für stark genug, jeden Gedanken, jedes Gefühl tragen
zu können. Das, was wir am Tag, um leben zu können,
tätig ver- decken, das ent - decken wir schreibend und
finden es zumutbar. Ist das dann unser eigentliches Leben, das
wir niederschreiben, oder ist es das gerade nicht? Die Linien
verschwimmen, die Fragen bleiben: Was habe ich erlebt, was erschrieben?
Was bin ich, was ist das, was ich sein könnte oder wollte?
Mag
sein, es ist Luxus oder Eitelkeit, sich auf diese Weise mit
sich selbst auseinanderzusetzen, mag sein, es ginge einem besser
ohne, doch das Schreiben, wie ich es mir vorstelle, ginge nicht
ohne, es zwingt dazu. Wenn man als Thema die Regungen hat, die
das Leben bietet, nicht so sehr Geschichte oder Geschichten,
sondern die ungreifbaren Regungen, die mit unsichtbarere Hand
das Leben lenken, dann ist jede Änderung des eigenen Fühlens
und Sehens Teil des Schreibens. Was ändert sich in mir?
Weshalb ändert es sich? Hätte es sich auch unter anderen
Umständen geändert? Wer werde ich sein, wenn diese
Änderung sich vollzogen hat? Und schon entstehen Geschichten
zu diesen Fragen. Sind sie autobiographisch? Man hat sie so
nicht erlebt, und doch sind sie es. Denn man weiß zu dem
Zeitpunkt noch nicht, wer man werden wird, man weiß nur,
daß das, was man niederschreibt, Teil von einem sein wird.
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