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Eine
»Jeder neue Verlust wiegt schwerer als der letzte, geht
eine Schicht tiefer.«
Und um Verlust geht es in diesem Buch. Ob es nun eine Frau ist,
die, weil ihre erste Liebe wiederkehrt, die Illusion einer glücklichen
Ehe aufgeben muß, oder eine andere, die meint, dem Handeln
aus dem Weg gehen zu können, indem sie sich einen Schutzschild
aus Angst vor den Körper hält, oder ob es Hannah und
Jonás sind, ein Zwillingspaar aus dem Hinterland Dalmatiens,
deren Vater auf einer Bohrinsel verunglückt, noch bevor
die beiden ihn wirklich kennengelernt haben.
All
diese Figuren eint die Suche nach dem wirklichen Leben. Doch
erst, als sie vom Suchen ablassen, begegnen sie einander wirklich,
»nicht aus Notwehr, nicht als Mittel wider die Verlassenheit,
sondern trotz der Verlassenheit«.
In
drei Erzählungen schreibt Jagoda Marinic von Momenten,
vor denen man sprachlos bleibt, von Menschen, die leben und
sich begegnen möchten, und auch von dem, was sie daran
hindert. Der Blick dieser Autorin liegt auf dem Unsichtbaren,
auf dem, was uns in rätselhafter Weise prägt.
Warum
der Titel? In russischen Büchern hätte ein Mädchen,
das in Kroatien groß geworden ist, seine Pflichtlektüre
gefunden, es wären ihre Geschichten geworden, groß
genug für die Phantasie, schmerzhaft genug für das
Leben.
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